Geschichte

Was haben alle wichtigen Entscheidungen der Geschichte miteinander gemeinsam…? Vielleicht den Umstand, dass immer die Beste aller Möglichkeiten gewählt wurde? Oder das immer besonders viele Leute beteiligt waren?
Nein! Es waren stattdessen nicht allzu viele. Wie bei allen wichtigen Entscheidungen war nur ein kleiner Kreis von Männern beteiligt. Männer, die dem Alkohol nicht ganz abgeneigt waren. So war es auch bei unserer Geschichte…

 

Lange, lange Zeit hatte es in Groß-Gerau keine Kerweborsch gegeben. In anderen Ortschaften seit über 100 Jahren fest etabliert, gab es das in Gere bis ins Jahr 2005 nicht. Bedeutet das allerdings, dass es bei uns noch nie zuvor Kerweborsch gegeben hatte? Selbstverständlich nicht. Auch bei uns gab es eine Kerb, nur hatte sich kaum noch jemand daran erinnert. Fragte man auf der Straße jemanden nach einer Kerb in Gere, so bekam man oft zu hören: „Gere hat keine Kerb.“ oder „Nein hat’s nie gegeben“. Verständlich. War es doch schon ein Weilchen her, dass es auch bei uns Kerweborsch und eine Kerb gab.

 

In den 80er Jahren hatte es zuletzt Kerweborsch gegeben. 1983 ins Leben gerufen, schaffte es eine kleine Gruppe Kerweborsch binnen weniger Jahre sehr erfolgreiche Kerben auf die Beine zu stellen. Zeugen von damals erzählen gar von 800 Personen die jährlich zum Kerwetanz in die Stadthalle gekommen seien. So schön diese Zeit doch war, so hielt sie jedoch nicht lange. Nach kurzer Zeit wurde dieses Projekt Gerer Kerb eingestellt und die Kerweborsch lösten sich auf. Rückblickend fragt man sich sicher weshalb? Kamen doch schließlich 800 Personen zum Kerwetanz. Diese Frage kann bis heute nicht eindeutig geklärt werden und dürfte sicherlich künftigen Historikern noch Stoff für das ein oder andere Buch bieten.

Aber auch diese Gerer Kerweborsch waren nicht die ersten ihrer Art. Und wieder springen wir einige Jahrzehnte in die Vergangenheit. 1948 ist bekannt, dass in Gere Kerb gefeiert wurde und dass es Kerweborsch gab. Viel mehr wissen wir über diese Zeit aufgrund der zeitlichen Distanz leider nicht. Aber wichtiger ist (und das wissen wir) es gab auch damals Kerweborsch in Gere und wie die folgende Generation hatten auch sie sich aus unerfindlichen Gründen aufgelöst. Wie die Situation in Gere zur Zeit des Zweiten Weltkriegs oder davor aussah ist ebenfalls unbekannt. Reicht unsere Geschichte vielleicht sogar noch weiter zurück als wir wissen?

Bedeutend ist dabei für uns die Tatsache: Wir waren nicht die Ersten, Gere hatte bereits vor uns Kerweborsch und am aller wichtigsten: Auch wir haben eine Tradition an die es anzuknüpfen gilt. Sie hat zwar etwas mehr Lücken als in anderen Orten, aber da wir davon wissen gilt es diese Tradition hochzuhalten.

 

Aber nun zurück zur eigentlichen Geschichte: Wir schreiben das Jahr 2005. Bereits einige Jahre zuvor hatten die Handballer des TV Groß-Gerau einen Baum gestellt. Sicher kann man noch nicht von einer Kerb mit Kerweborsch sprechen, jedoch sollte das noch weitreichendere Folgen haben, als man sich zu diesem Zeitpunkt hätte vorstellen können. Besagte Handballer trafen 2005 eines Abends in der TV Gaststätte Meteora („Beim Greg“ wie der Gerer sagt) auf einige Burschen. Bei diesen damals noch jungen Burschen handelte es sich um, Oliver und Jan Hartmann, Tom Kappel, Thomas Kohlgardt, Markus Seibert, Thomas Eich und Falk Malkmus. In einer geselligen Runde mit einigen Bieren sprach man so über dieses und jenes, Ausbildung und Lehre, Frauen und Alkohol. Männerthemen eben. Irgendwann kam das Thema auch auf den, von den Handballern aufgestellten, Baum zu Sprechen. Was müssen das noch für Zeiten gewesen sein, als in Gere der Baum noch von Kerweborsch gestellt wurde und man samstags abends noch zum Kerwetanz in die Stadthalle gehen konnte. Schade eigentlich, dass man in Gere so was nicht mehr kennt. Nach noch vielen, vielen weitern Bieren fiel der Satz, den vermutlich bis dahin schon viele Gerer im Kopf hatten, den sich aber nie jemand laut auszusprechen traute: „Hey Jungs, wie wärs denn wenn wir ihn diesem Jahr zusammen einen Kerwebaum stellen… so als richtige Kerweborsch…“ Zunächst stille in der zuvor noch so ausgelassenen Runde. „Wir?“, „Kerweborsch?“ Die Bedenken waren allerdings schon nach wenigen Sekunden vom Tisch. Welchen Anteil der Alkohol an dem folgenden Satz hatte wird wohl niemand der damals dabei war zugeben wollen, aber man war sich einig: „Jawoll, des mache mer!“. Um das ganze offiziell zu machen unterschrieben die Burschen auf einem Zettel. – Die Gerer Kerweborsch waren gegründet.

Am nächsten Morgen schon stellten sich erste Fragen zu dem in Bierlaune gefassten Entschluss des gestrigen Abends. „Wie geht’s jetzt weiter?“ Noch wusste keiner außer den Anwesenden etwas davon. Noch hatte man die Möglichkeit einen Rückzieher zu machen. Kommt nicht infrage!

Viel Planung gab es in den ersten Jahren nicht. Man hatte ja auch keine Eile. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Im ersten Jahr der Kerb wurde zunächst nur ein Kerwebaum gestellt. Doch wie wurde dieser Baum zu seinem Bestimmungsort, der Albert-Faulstrohhalle, gebracht? Dafür nutzte man jedes erdenkliche Mittel das sich einem gerade bot und das fähig war ein kleines Bäumchen zu transportieren. Ob PKW, Quad oder Anhänger, alles was möglich war wurde genutzt. Viele Leute waren damals noch nicht zugegen. Klar, wusste ja keiner. Lediglich Verwandte und Freunde der Kerweborsch waren dabei und bestaunten das, in den ersten Jahren zunächst noch unspektakuläre, Schauspiel. Wer sich doch in die nähe der Halle verirrte staunte nicht schlecht. „Was macht ihr denn da?“ , „Wir sind die Gerer Kerweborsch und wir stellen unseren Kerwebaum.“

Die Antworten auf diesen, in anderen Orten so normalen, Satz klangen meistens immer gleich: „Wie, in Gere gibt’s Kerweborsch?“ „Was seid ihr?“.  Verständlich, hatte es doch 30 Jahre lang keine Gerer Kerweborsch gegeben. Bloß einige alte Leute, die sich noch gut an vergangene Kerben erinnerten waren direkt angetan von den jungen Burschen.

 

Im folgenden Jahr sollte es dann auch wieder so etwas wie einen Kerwetanz geben. Beim Greg, wo man sich vor gut einem Jahr gegründet hatte, sollte das Ganze stattfinden. Doch wie sollte das aussehen? Vergleicht man den ersten Kerwetanz mit den Kerwetänzen der 80er Jahre (zur Erinnerung: 800 Personen!!!) muss man doch sagen: deutlich bescheidener. Trotzdem, dafür, dass keine Werbung existierte und Einladungen lediglich über Mundpropaganda verbreitet wurden, kamen durchaus mehr Gäste als man zunächst erwartet hatte.

Der Ablauf der bereits an dieser Kerb entstand sollte trotz einiger Erweiterungen in den kommenden Jahren in seinen Gründzügen die Basis für heutige Kerben bilden. Um 20 Uhr marschieren die Kerweborsch ein, es folgt der Eröffnungstanz und um 22 Uhr wird der Kerwespruch verlesen. Simpel, aber alle hatten ihren Spaß. Nur die Ausstattung der Kerweborsch war zunächst etwas „spartanischer“, als wir sie heute kennen. Treten die Kerweborsch heute in einheitlichen Hemden und Schärpen auf (der Kerwevadder trägt sogar einen Seidenzylinder), so trug damals noch jeder ein weißes Hemd, das er sich von zuhause mitbringen musste. Die Schärpen, heute aus Stoff, waren damals höchst praktisch in Kreppband gehalten. Selbst der Zylinder musste aus Pappe gebastelt werden.

 

Bis 2007 machte man so weiter. In dieser Zeit schlossen sich auch noch Florian Schmid und Marc Köhler den Gerer Kerweborsch an und beide sollten noch ihren Beitrag zu der Gerer Kerb leisten, wie wir sie heute kennen. Inzwischen bestanden die Kerweborsch aus sieben jungen Burschen. Oliver Hartmann, Jan Hartmann, Tom Kappel, Thomas Kohlgardt, Marc Köhler und Florian Schmid.

 

2008 jedoch erlebte man einen unerwarteten Besucherrückgang. Man überlegte gar aufzuhören… Aufhören und zugeben, dass man gescheitert war? Nein! Kam nicht in Frage! Stattdessen überlegte man sich, es endlich „richtig“ zu machen. Heißt im Klartext: Wir machen Werbung, wir holen uns Schärpen aus Stoff und wir lassen nicht zu, dass uns die Kerb so einfach verloren geht.

 

Im Jahr 2009 sollte dann der bisher größte Umbruch folgen. Aus dem Entschluss, es „richtig“ zu machen wurde schnell ernst. Man druckte Flyer und die sollten sich bezahlt machen. Kerb 2009: Von Besucherrückgang keine Spur! Noch nie war es an Kerb seit der Neugründung so voll gewesen. Doch das sollte noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein.

 

Bereits 2010: Schon wieder ein persönlicher Besucherrekord! Dieses Mal knapp 250 Besucher. Sicher klingt diese Zahl erstmal nicht besonders spektakulär, aber überlegt man sich dass zwei Jahre zuvor noch wegen Besuchermangels überlegt wurde das Ganze aufzugeben, ist es doch umso wichtiger. Außerdem: „Der Grek“ ist nur eine kleine Kneipe, da kann, bei 250 Besuchern, mal ganz schnell der Platz zum Tanzen und auch die Luft ausgehen. Zudem bekam man 2010 seit langer Zeit mal wieder Nachwuchs. Tobias Mayer und Florian Mayer traten den Kerweborsch bei. Es sollte der Beginn eines nie dagewesenen Nachwuchsschubes werden.

 

2011. Gleich vier neue Kerweborsch schlossen sich an. Mit Jörn Lorum, Florian Erbe, Christian Engeroff und Alexander Bog zählten die Kerweborsch inzwischen 13 Mitglieder, hatten also ihre Anzahl bis dahin beinahe verdoppelt. Auch die Kerb musste größer werden. Hatten sich die Gäste im vorherigen Jahr über Luft- und Platzmangel beklagt, so galt es nun Abhilfe zu schaffen. Aber wohin? Sollte man es wagen und die Kerb in die Stadthalle verlagern? Nein, dafür war es noch zu früh. Stattdessen entschied man sich auf den Spiegelsaal unter der Stadthalle auszuweichen. Die richtige Entscheidung! Zum Kerwetanz kamen etwa 300 Gäste. Zwar war das Luftproblem im Spiegelsaal immer noch nicht gelöst, allerdings hatte man nun genug Platz um das zu tun, was auf einem Kerwetanz getan werden sollte. Endlich konnte richtig getanzt werden. Auch der Mitternachtsgag, im Jahr zuvor erstmals eingeführt, wurde in diesem Jahr zum ersten mal als richtige Show zur Freude der Besucher ausgeweitet.

 

2012 sollte etwas spektakuläres geschehen. Es schlossen sich den Gerern gleich sieben neue Kerweborsch an. Die Kerweborsch waren mit dem Beitritt von Dennis Köhler, Julian Altmann, Christian Liebald, Marcel Schmidt, Cedric Ehrler, Tim Salzberger und Jan-Patrick Nußbicker bereits 19 Mann. Man stelle sich vor: Die Gerer Kerweborsch hatten sich binnen weniger Jahre fast vervierfacht. Aber nicht nur die Anzahl der Kerweborsch selbst hatte sich verändert, auch die Anzahl der Besucher war deutlich gestiegen. Hatten zu Beginn im Jahre 2005 nur einige wenige Verwandte der Kerweborsch dem Stellen des Kerwebaums beigewohnt, betrachteten 2012 weit über 150 Zuschauer das Spektakel. Auch beim Kerwetanz war die Anzahl der Gäste weiter gestiegen.

Aber was hat sich abgesehen von „mehr Kerweborsch“ und „mehr Besucher“ geändert? Besonders wichtig für die „Kerweborsch erster Stunde“ ist dabei bis heute, dass der Generationenwechsel bei uns ziemlich reibungslos verläuft. Aus der Gründergeneration von Jungs Anfang 20 sind inzwischen Männer Ende 20 geworden. Inzwischen hat jeder von ihnen beinahe 10 Jahre als Kerweborsch auf dem Buckel, und so wird es im nächsten Jahr auch den ersten Nachwuchs an Altkerweborsch bei uns geben.

Sicherlich begegnet uns ab und an noch eine Person die die Gerer Kerweborsch nicht kennt, allerdings werden diese Leute immer weniger und wir wünschen uns Fragen wie „Gere hat Kerweborsch?“ eines Tages nicht mehr hören zu müssen.

Der Wunsch von allen ist nun, dass sich die Gerer Kerb auch weiterhin so prächtig entwickelt wie sie es bisher getan hat. Auf das wir noch viel Spaß und Freude an ihr haben werden.

 

 

An dieser Stelle möchten wir uns bei all unseren Sponsoren und langjährigen Unterstützern bedanken, ohne die wir es nicht geschafft hätten in den letzten Jahren eine solche Entwicklung hinzulegen.

 

Die Gerer Kerweborsch blicken zuversichtlich auf eine schöne Kerb 2013.

…die Kerb 2013 kann kommen!
Es fehlen: Tim Salzberger, Florian Mayer, Jan Hartmann und Florian Erbe